Das Landjahrlager an der Steinaue …

In vielen Ortschaften ist das „Dritte Reich“ weitgehend aufgearbeitet. Nicht so in Rodenberg.
Nicht zuletzt deshalb, weil die jeweils tätigen Stadträte entsprechende Angebote verschiedener Seiten abgelehnt haben – ja es sogar untersagt haben, Archivinhalte einzusehen oder gar zu veröffentlichen.

Ein kleiner Versuch soll begonnen werden mit dem relativ unverfänglichen Thema – mit dem schon in der Weimarer Republik entstandenem „Landjahrlager“:

„Wache-Schieben“ an der Einfahrt

Das Landjahr wurde 1934 als achtmonatiger, in der Regel von April bis November dauernder Lageraufenthalt in ländlicher Umgebung in der Verantwortung des Reichserziehungsministeriums (REM) eingerichtet. Teilnehmer waren die 14- bis 15jährigen Volksschulabsolventen und -absolventinnen aus Großstädten, die zum Ende ihrer Schulzeit zum Landjahr einberufen wurden. Untergebracht wurden die Jugendlichen in leer stehenden Gebäuden, etwa ehemaligen Gutshäusern, Schlossern, Fabriken, Klöstern, Pfarr- und Wirtshäusern, die zu diesem Zweck vom Staat angemietet worden waren.

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Die Wege nach Hannover … I

Das Thema wurde schon oft berührt, aber nie wirklich aufgeräumt: Wie kamen unsere Vorfahren von Rodenberg nach Hannover?
Eins ist offensichtlich: Immer Richtung Norden nach Nenndorf, aber nicht über die heutige Bundesstraße 65 oder 442 und schon gar nicht über die Autobahn. Auch nicht über die heutigen Allee oder die (Haupt-)Straße durch Bad Nenndorf. Diese Straßen gab es in dem Zeitraum 1790 bis 1930 gar nicht oder nicht in dem heutigen Verlauf. Und manche der erst vor 200 Jahren angelegten Straßen existieren heute schon nicht mehr.

In einer losen Reihenfolge möchte ich in den nächsten Wochen über die vier Hauptwege und deren Geschichte berichten.
Zwei meiner Artikel berührten das Thema schon einmal:

Woher hat die Kreuzung „Drei Steine“ ihren Namen?
(Artikel auf „museumslandschaft-rodenberg.de)

– Die Quadriga bei Adolf Mithoff …

Die Wege zwischen Rodenberg/Grove und der Bücketaler Landwehr (Übergang zum Königreich Hannover) in den Jahren 1790 bis heute. Quelle: Nieders. Landesvermessungsanstalt 1951

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Gustav Honebrinker und ein brauner Fleck … II

Hier geht es zum Teil I

Als Honebrinker nach seinem Ruhestand in Rodenberg wohnte – er war inzwischen in das Haus seiner Eltern, Suntalstr. 26 umgezogen – hatten meine Eltern losen Kontakt zu ihm. Wohl deswegen fand sich im Nachlass meiner Mutter ein kopiertes Buch „Aus der Kindheit“ von Julius Rodenberg. Auf dem Innentitel trägt es die Unterschrift von Gustav Honebrinker mit der Jahreszahl 1935.

Seine Sympathie für den jüdischen Schriftsteller hat Honebrinker aber offenbar nicht davon abgehalten, im Jahr 1933, also unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, in die NSDAP und ein Jahr darauf in die Allgemeine SS einzutreten.
Was hat ihn dazu bewogen und wieso konnte er mit dieser Vergangenheit nach dem Krieg ohne Weiteres in den Bundesgrenzschutz übernommen werden?

Am 1.5.1933, vier Monate nach dem Einzug Hitlers in die Reichskanzlei, trat Gustav Honebrinker in die NSDAP ein

Eine Antwort dazu findet sich in den Unterlagen zu Gustav Hohnebrinkers Entnazifizierungsverfahren, die sich im Niedersächsischen Landesarchiv (NLA HA, Nds. 171 Hannover – IDEA, Nr. 19333 ) befinden.

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Gustav Honebrinker und ein brauner Fleck … I

Es ist nur ein kleiner Weg, der den Name „Honebrinker Weg“ trägt. Er hat noch nicht einmal Anwohner …

Zunächst wollte ich dem geneigten Leser den Namensgeber des Weges näher bringen, denn wer kennt ihn schon? Im Zuge der Recherche bin ich dann auf einen bemerkenswerten Fleck in Honebrinkers Vergangenheit gestoßen, der mich in zwei Abteilungen des  Bundesarchivs in Berlin und des Landesarchivs Niedersachsen forschen ließ. Im Ergebnis ist die Ehrung, welche ihn als Namensgeber eines Rodenberger Weges widerfährt, fragwürdig.

Es muss Anfang der 90ger Jahre gewesen sein, als der damalige Rat für den Namen votierte. Der Name eines Musiker machte ja auch Sinn im Musikantenviertel, wie das Wohngebiet westlich der Suntalstraße auch genannt wird. Seit Ende des Krieges wohnte der Orchester-Chef Gustav Honebrinker in Rodenberg.

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Vor 100 Jahren: Gewalt und Aufruhr in Rodenberg, Teil 2/2

Am 4. September 1921 war in unserem Städtchen der Teufel los. Statt Kriegerfest-Umzug und Demonstration gegen die Teuerung herrschten Unruhen und Gewalt. 5000 auswärtige Marschierer hatten die Veranstaltung zu einem „Anti-Sedan-Tag“ gemacht. Örtliche Aufrührer führten Kaufleute, Handwerker und Landwirte mit „Wucherer-Schildern“ durch die Lange Straße.Zum symbolische Höhepunkt wurde diese Szene: Ein jugendlicher Arbeiter aus Rodenberg holte die Fahne, die Gewehre und anderes Eigentum des Kriegervereins aus dem Ratskeller und zerstörte sie. Die Fahne wurde draußen verbrannt. Auf der Straße hielt ein auswärtiger Anführer eine ,,aufreizende Rede“, wie es in einem Bericht heißt. Der Zug löste sich schließlich auf dem Schützenplatz auf. Wie, das ist nicht genau nachvollziehbar.

Rodenberger Zeitung vom 27.05.1922. Für den ganzen Text klick auf Bild

Der Regierungspräsident verlegte hinterher eine Hundertschaft Schutzpolizei nach Groß Nenndorf und ließ „mit Motorrädern und Automobilen einen scharfen Patrouillendienst ausüben“.

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Die Katen der kleinen Leute …

Im alten Dorf Grove gab es neben den stattlichen, reich geschmückten Häusern der Bauern auch die Katen der kleinen Leute. Zu erkennen an ihren niedrigen Seitenwänden und oft zahlreichen Umbauten.

Eine der letzten Katen stand am Kirchdamm – knapp nördlich von der Mündung der Ackersbeeke in die Steinaue. Sie war bis zuletzt bewohnt. Die damalige Wohnsituation würde man heute als „prekär“ bezeichnen, denn der Zahn der Zeit nagte an Dach und Fassade.

Um das Jahr 2002 muss es gewesen sein – da wurde das letzte Zeugnis der kleinen Leute in Grove abgerissen.

Vor 100 Jahren: Gewalt und Aufruhr in Rodenberg, Teil 1/2

Ein weniger bekanntes Kapitel der jüngeren Geschichte Rodenbergs dürften die Vorkommnisse am 04. Sept. 1921 sein. Vor 100 Jahren war in unserem Städtchen der Teufel los. Statt Kriegerfest-Umzug und Demonstration gegen die Teuerung herrschten Unruhen und Gewalt. Mehr als 5000 auswärtige Demonstranten marschierten auf Rodenberg zu.
Die Demonstration lief im Verlauf des Tages völlig aus dem Ruder.

Appell des Landrats an die Bevölkerung. Für den ganzen Text klick auf Bild (Rodenberger Zeitung vom 10.09.1921)

Hardy Krampertz streifte 1990 in seiner ,,Chronik III“ auf Seite 157 das Geschehen, schrieb dazu: ,„Eine Bewertung der Ereignisse kann im Rahmen dieser Ortsgeschichte nicht erfolgen. Es handelt sich hier nicht nur um eine ortsbezogene Auseinandersetzung`, sondern im ganzen hannoverschen Umfeld kam es zu ähnlichen Aktionen.“

Was Rodenberg und seine Umgebung damals erschütterte, soll auch hier nicht historisch aufgearbeitet und bewertet werden. Aber nachdem die Beteiligten verstorben sind, kann die Geschichte jetzt wohl in knapper Form erzählt werden. Einige Mühe macht dabei, dass die Quellen (Pressemeldungen, Stellungnahmen, Prozessberichte) je nach Standpunkt sehr unterschiedlich gefärbt sind. Ich benutze für diesen Beitrag Aufzeichnungen meiner Mutter Gerda Zerries und des Lokalchronisten Walter Münstermann in Auszügen.

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Lesetipp: Bergbau in Rodenberg

Es war das Jahr 1923, das Jahr der Hyperinflation. Kostete in Frühjahr ein Ei noch 200 Mark waren es Ende d. J. bereits 320 Mrd. Mark.
Die Inflation war eine Folge des verlorenen ersten Weltkriegs. Der kostete nicht nur sehr viele Menschenleben, sondern auch Unmengen an Geld. Geld was die Reichsregierung nicht hatte – aber man hoffte, den Krieg zu gewinnen und dann sollten die Verlierer die Zeche bezahlen.

Es kam bekanntlich anders und um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, brachte die Regierung mehr und mehr Geld in Umlauf, auch wenn es für die immer höhere Anzahl Banknoten keine materiellen Gegenwerte im Land gab. Dadurch begann der Teufelskreis der Inflation, die im Jahre 1923 ihren Höhepunkt erreichte.

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Bürgerbrief = Bürgerrechte. Zur Geschichte der Bürgerbriefe in Rodenberg.

Bürgerbrief von 1919 für den Bergmann W. Gewecke, Grove Nr, 100, heute Masch 2

Kürzlich erreichte mich dir Frage, ob ich etwas zu den Rodenberger Bürgerbriefen wüsste. Ein Signal für mich, die mehrmonatige Sommer- und Beitragspause zu beenden …

In einzelnen Rodenberger Familien ist er noch vorhanden: Ein Bürgerbrief der Vorfahren, verliehen vom „Magistrat“ (Rat der Stadt) und unterschrieben vom jeweils amtierenden Bürgermeister.

Der Bürgerbrief war ein Dokument, welches in der Zeit zwischen dem Mittelalter bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts von vielen europäischen Städten und Kommunen auf Antrag erteilt wurde. Zugewanderten Bewohnern sollte die Möglichkeit zum Erwerb der vollen bürgerlichen Rechte zu gewährt werden.

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Wie alt ist das Haus?

Mit dem Alter ist das so eine Sache: Der/die Eine feiert zum dritten mal den 39. Geburtstag und der kleine Junge an der Supermarktkasse behauptet, schon längst 18 Jahre alt zu sein. Um das wirkliche Alter bei den Menschen festzustellen genügt ein Blick in den Personalausweis.

Nicht so bei Häusern. Sind sie jüngeren Baujahres – so um die 50 – 70 Jahre alt, lässt sich das an vielleicht noch vorhandenen Dokumenten festmachen. Ist das Haus über einhundert – oder gar 200 Jahre alt wird es schwer. Da helfen dann nur historische Unterlagen wie alte Ortspläne, Hausnummernlisten oder Chroniken.

Anlass für diesen Artikel ist ein immer mal wieder zum Verkauf stehendes Haus „Suntalstraße 2“, das Eckhaus zw. Suntalstraße und Bahnhofstraße. Als Baujahr wird auf der Verkaufsplattform das Jahr „1914“ angegeben.

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