Wie alt ist das Haus?

Mit dem Alter ist das so eine Sache: Der/die Eine feiert zum dritten mal den 39. Geburtstag und der kleine Junge an der Supermarktkasse behauptet, schon längst 18 Jahre alt zu sein. Um das wirkliche Alter bei den Menschen festzustellen genügt ein Blick in den Personalausweis.

Nicht so bei Häusern. Sind sie jüngeren Baujahres – so um die 50 – 70 Jahre alt, lässt sich das an vielleicht noch vorhandenen Dokumenten festmachen. Ist das Haus über einhundert – oder gar 200 Jahre alt wird es schwer. Da helfen dann nur historische Unterlagen wie alte Ortspläne, Hausnummernlisten oder Chroniken.

Anlass für diesen Artikel ist ein immer mal wieder zum Verkauf stehendes Haus „Suntalstraße 2“, das Eckhaus zw. Suntalstraße und Bahnhofstraße. Als Baujahr wird auf der Verkaufsplattform das Jahr „1914“ angegeben.

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Die Vorortgemeinde Mühlenstraße

Die Apotheke war eines der hübschesten Häuser am Ende der Vorderstraße; jenseits derselben lagen die großen Gemeindeländereien, mit der echt alt­deutschen Reduplikation, deren meine Heimatge­nossen sich wohl nicht mehr bewusst waren, „Gart­garten“ genannt, und zwischen beiden bildete die hier breiter fließende Aue die Grenze zwischen Stadt und Dorf. (Julius Rodenberg: Aus der Kindheit).

Die Apotheke, anschl. der Stadtgraben und das heutige Sparkassengebäude, damals noch ein Rest vom ehemaligen, über die Straße gebauten Rathauses.

Da hat uns J. Rodenberg ja wieder einige Rätsel mit auf den Weg gegeben …
Das von ihm als „eines der hübschesten Häuser am Ende der Vorderstraße“ bezeichnete Apo­theke ist natürlich das neoklassizistische Gebäude der heutigen und gerade umgebauten Apotheke.
Der Gartgarten, heute Standort der 1907 gebauten Julius-Rodenberg-Schule, war damals ein im Domänenbesitz befindliches Gartengelände. Die heutige Straße dort, „Im Jagdgarten“, mag ihren Namen in sprachlicher An­lehnung an den ehemaligen „Gartgarten“ (Haupt- oder zentraler Garten) bekom­men haben.
Der Begriff „altdeutsche Reduplikation“ (Verdoppe­lung) beschreibt die regelmäßige Anordnung der damaligen Kleingärten.

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Gesehen in Rodenberg …

„Rodenberg am Deister – Klein Venedig“, eine Ansichtskarte aus der Zeit um 1910-1920. Doch etwas stimmt mit „Klein Venedig“ nicht. Die Ansichtskarte zeigt den Kirchdamm spiegelverkehrt, da offenbar das Negativ/die damalige Glasplatte falsch herum eingelegt war.
Das gleiche Negativ von 1918 (man beachte die (identischen) Kinder auf beiden Karten), diesmal richtig herum eingelegt und handkoloriert.
Beide Postkarten hat Fr. Oppermann, Rodenberg a. Deister hergestellt…

Die Rodenberger „Volkschule“ i. d. Baugewerkszeitung von 1912

„Wie die Großstädte, so sind auch die kleinen und kleinsten Städte jetzt bestrebt, dass Aussehen ihrer Schulen äußerlich würdig zu gestalten, um sie nach dem Maße ihrer Bedeutung von anderen Bauten abzuheben“

So beginnt der Aufmacher-Artikel der Baugewerks-Zeitung vom 13. Jan. 1912.

„Das kleine Städtchen Rodenberg an der Aue, mit 2000 Einwohnern, im Kreise Rinteln (…) hat ein solches Schulhaus erhalten, welches der Stadt Rodenberg gewiss zur Zierde gereicht (…). Die zwar einfachen, aber geschmackvollen Ziergiebelformen sind geeignet, dem Schulhause ein recht freundliches, aber auch zugleich würdiges Aussehen zu geben.“

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Abriss, Ampel und eine Ansage …

Vor zweieinhalb Jahren berichtete ich schon einmal an anderer Stelle zum Thema: Das ehemals selbstständige Dorf Grove verändert sein Gesicht. Zwei der damals erwähnten Gebäude sind schon abgerissen. Im Windschatten der „gefühlten“ Dauerbaustelle Grover Straße ist nun auch der „Hof Sieg“ dran.

Heute ist die Adresse die Grover Str. 45. In der alten Hausnummernliste ist das Grundstück als „Grove Nr. 30“ aufgeführt. Damit wissen wir, dass der Hof schon seit min. 1732 existiert, denn zu dem Zeitpunkt erhielten die damals bebauten Grundstücke erstmals (die alten) Hausnummern.

Als Besitzer sind die Familien Biesterfeld, Schuhmacher und als letztes die Fam. Sieg bekannt. Walter Sieg, gebürtig aus Schlesien, ist nach dem Krieg in Rodenberg hängen geblieben und heiratete die Tochter des damaligen Besitzers, Herma Schumacher. In den sechziger Jahren bewirtschaftete Walter Sieg noch einen landwirtschaftlichen Betrieb. Nicht immer reichte das für ein auskömmliches Einkommen, weshalb Walter Sieg schon 1950 ein Bestattungsunternehmen gründete. Dies hat mehrere Nachfolger gehabt und ist noch heute führend in Rodenberg. Abriss, Ampel und eine Ansage … weiterlesen

Dein/Eurer Haus hat ein Preisschild!

Und das ist öffentlich sichtbar.
Neben dem Preis eures Hauses wird auch das Baujahr, die Wohnfläche und andere Daten öffentlich angezeigt.

Unter www.scoperty.de findet ihr diese Informationen. Natürlich suchst du zuerst dein Haus, gibst also die geforderte PLZ ein und prüfst mit einem Klick auf das Preisschild, was da so angezeigt wird. Der Eine wird sich über den angegebenen Preis freuen, weil sein Haus z.B. 200 Jahre jünger ist, als das tatsächlich Baujahr angegeben wird, oder die Wohnfläche deutlich zu optimistisch angegeben ist. Der Andere ist verwundert über die pessimistischen oder auch optimistischen Preisangaben aber auch die großen Preisspannen von z.T. mehreren hunderttausend Euros.

Schon beim schnellen Hinsehen erweisen sich die Angaben als ausgesprochen ungenau: Baufällige Ruinen – z.T. schon deswegen abgerissen, werden mit Mondpreisen angegeben. Wenige Jahre alte Neubauten sind mit Baujahr „ca. 1900“ versehen.

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Grover Skiffle Team, Teil 2/2

Der ersten Teil zum Thema behandelte die „Findungsphase“ der Musikgruppe – im zweiten Teil soll die weitere „Karriere“ der Gruppe geschildert werden. Ein seltenes Filmdokument zeigt den ersten Auftritt beim Rodenberger Straßenfest und ein weiteres Video zeigt: Rodenberger Skiffle lebt!

Rolli, Werner und ich trafen uns ein paar Mal und übten ein kleines Repertoire ein. Kurz darauf folgte schon der erste „Gig“. Es war im Stockholm und muss ein Spartenball (Tennis?) des SGR gewesen sein. Der damalige jazzbegeisterte Inhaber eines Rodenberger Schuhhauses hatte uns für eine Pauseneinlage engagiert. Alles „unplugged“ aber mit angenehmer Tuchfühlung.

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Die Quadriga bei Adolf Mithoff …

Ende August d.J. erschien ein Artikel in den Schaumburger Nachrichten über die Quadriga, welche der damals siegreiche Napoleon 1806 vom Brandenburger Tor geklaut hat und den anschließenden Rücktransport von Paris durch unsere Gegend nach Berlin. Napoleon wurde von den Berlinern daraufhin als „Pferdedieb“ bezeichnet und der Rücktransport treffend als „Retourkutsche“ …

Der Pferdedieb

Der Artikel ist ein guter Anlass mal zu schauen, was Adolf Mithoff zu dem Ereignis aufschrieb. Zunächst zur siegreichen Einnahme von Paris und wie es in Rodenberg gefeiert wurde:

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Die Deutsche Frakturschrift …

„… ist eine Schriftart aus der Gruppe der gebrochenen Schriften. Sie war von Mitte des 16. bis Anfang des 20. Jahrhunderts die meist benutzte Druckschrift im deutschsprachigen Raum, dazu – in Konkurrenz zur Antiqua – auch in den nordeuropäischen Ländern.“ (Wikipedia).

Der aufmerksame Rodenberger Spaziergänger wird noch einige Straßenschilder in genau dieser „alten“ und für so manch jüngeren Zeitgenossen schwer zu entziffernden Schrift finden. Tatsächlich hat die Schrift so einige schwer zu verstehende Regeln, die das entziffern erschweren. So z.B. das lange „s“, welches eher dem „f“ ähnelt und das runde „s“.

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Grover Skiffle Team, Teil 1/2

Ok, es ist kein Beitrag zu einem historischen Thema – aber Rodenberger Vergangenheit ….

Im Lauenauer Volkspark. V.l.: Rolf „Rolli“ D. Werner K. Rudolf Zerries, Walter B.

Wie komme ich drauf? Meine Tochter scannte (in Berlin) über die Festtage eine größere Sammlung Dias ein (was macht man nicht alles in Corona-Zeiten“). Längst vergessene Bilder tauchen in der zum Austausch verwendeten Cloud wieder auf. Unter anderem eine kleine Serie, die das „Grover Skiffle Team“ bei einem Auftritt um das Jahr 1977 im Lauenauer Volkspark zeigen. Ich weiß es noch genau: Die kleine Bühne befand sich in der Mitte der großen Wiese unter einem Baum und wir spielten und sangen uns über die kleine Anlage die Seele aus dem Leib. In einem riesigen Kreis um uns herum stand ein zwar zahlreiches, aber weitgehend emotionsfreies und bewegungsloses Publikum.
Vielleicht hatte es ja auch politische Gründe: Das Verhältnis zwischen Lauenau und Rodenberg war schon immer problematisch und erst wenige Jahre vorher war die ungeliebte „Samtgemeinde Rodenberg“ entstanden. Jedenfalls ein super Auftritt (Vorsicht: Ironie!).

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