So gelingt die persönliche Energiewende II …

Wer hätte das gedacht, das mein vor einem Jahr veröffentlichte Artikel
https://www.rudolfsblog.de/so-gelingt-die-persoenliche-energiewende/
einmal eine solche Aktualität bekommen würde.

War es vor einem Jahr noch „nice to have…“ etwas Energie (und Geld) zu sparen und etwas fürs Klima zu tun, hat das Thema nun durch den völkerrechtswidrigen Überfall Putins auf die Ukraine eine besondere Bedeutung bekommen.

Die globalen politischen und ökologischen Probleme dieser Welt werden wir in diesem Rahmen nicht lösen können, doch unter dem Motto „think global, act local“ (Bed.: nachhaltiges handeln vor Ort) möchte ich euch ein paar Anregungen zum Thema geben, meine Empfehlungen aus dem letzten Jahr auf den Prüfstand stellen und einen Tipp zum kostengünstigen Heizen geben …

1. Stromverbrauch verringern mit Balkon- oder „Guerilla-“ PV Anlagen

Derzeit häufen sich die Berichte in den einschlägigen Online-Medien wie: „Meine Erfahrungen nach 12 Monaten mit der „Balkonanlage“.“
Wie sind denn nun meine?

Zufällig bekam ich kurz vor Installation (07.05.2021) eine Abrechnung des Stromverbrauchs und nach einem Jahr erneut.
Der Verbrauch in den 12 Monaten vor der Installation (2020/2021) betrug 3077 kWh, in den Jahren davor waren es immer so um 2800 kWh.

Im ersten Jahr mit der Balkonanlage (nachfolgend „PV-Anlage“) sind es nun 2146 kWh Verbrauch.
Im Ergebnis haben wir gleich mal eine Gutschrift von knapp 300€ bekommen und die Abschläge haben sich von 92€ auf 58€ reduziert.

Rechne ich die damaligen Anlagenkosten von ca. 650€ dagegen, wird sich die Investition in gut 2,5 Jahren amortisiert haben. Der Strompreis wird in den nächsten Jahren steigen, was den Amortisationszeitraum noch verringern wird.

Anm.: Unser Stromverbrauch ist rel. hoch. Mit dazu bei trägt eine Teichanlage mit dauernd laufender Pumpe und UV-Lampe und zahlreiche IT-Geräte, die ebenfalls rund um die Uhr laufen.

Weil mich ein paar Anfragen erreicht haben, noch ein paar Anmerkungen:

Daten der Erzeugung: Die Anlage hat 970 kWh im ersten Jahr erzeugt. Davon wurden allerdings ca. 250 kWh ins Netz eingespeist, weil nicht von uns verbraucht. In den ersten zwei Monaten lief der Zähler bei fehlendem Eigenverbrauch rückwärts, sodass die Erzeugung der Balkonanlage um ca. 150kWh „geschönt“ wurde. Dieses rückwärts-drehen des Zählers ist mit Einbau des neuen Zählers vorbei.

Einspeisung: Die o.a. Einspeisung wird nicht vergütet – macht bei einer Vergütung von 0,06-0,08€/kWh und in Summe 17,50€ auch keinen Sinn. Von daher ist es wichtig, möglichst viel Strom selbst und in der Mittagszeit zu verbrauchen. Den Geschirrspüler oder die Waschmaschine in den Abendstunden an zuwerfen sollte man sich abgewöhnen.
Ein mögliche Optimierung des Eigenverbrauchs zu Heiz- und Kühlzwecken zeige ich weiter unten.

Aktuelle Hardwarepreise: Die Preise für Balkonanlagen sind derzeit jenseits von Gut und Böse! Wurden vor einem Jahr noch ca. 600€ für 600Wp (steckerfertig) aufgerufen, sind es nun über 1000€. Auch die Preise für gebrauchte Solarmodule haben deutlich angezogen, wenn sie denn überhaupt zu bekommen sind.

Fester Anschluss der PV-Anlage mit Sicherung und Zwischenzähler.

Maximale Leistung der Anlage: Es wird immer viel geredet/geschrieben, das „max. 600 Watt“ erlaubt sind. Auf was beziehen sich die 600 Watt, soweit sie denn überhaupt bindend sind: Auf die sogen. AC-Leistung, also auf das, was aus dem Wechselrichter raus kommt. Die DC-Leistung, also die Summe der Leistung aus den Solarmodulen darf größer sein. Ist die PV-Leistung größer als das, was der Wechselrichter verarbeiten kann, schmeißt dieser die weg.
Die 600Watt Grenze leitet sich aus Sicherheitsüberlegungen ab: Da die Anlage an einem ganz normalen Stromkreis hängt, an dem auch elektr. Verbraucher betrieben werden, ist es möglich, mehr als der von einer Sicherung/Leitungsschutz begrenzten Leistung abzunehmen. Soll heißen: An einem mit z.B. 16Ampere abgesicherten Stromkreis können Geräte mit einer Leistung von 3500W betrieben werden. Werden jedoch von der PV-Anlage noch weitere 600W eingespeist, können schon 4100W (3500W+600W) entnommen werden. Bei größeren PV-Anlagen könnte dann die Leitung überfordert werden.
Die Lösung ist eine angepasste Absicherung der Leitung auf der Seite der PV-Anlage UND im Sicherungskasten. So habe ich für meine 1000W-Anlage auf PV-Seite eine 6A und im Sicherungskasten eine 10A Sicherung eingesetzt. Das sind zusammen 16A und ist elektrisch sauber. Zusätzlich ist meine Anlage fest am Stromnetz, und nicht über eine Steckdose angeschlossen.

2 Eine eigene Ladestation („Wallbox“) nahezu kostenlos

Die Geschichte ist schnell erzählt: Mein Elektriker hat mir das Material geliefert. Die Wallbox habe ich selbst gekauft. Die Installation habe ich soweit vorbereitet, dass mein Elektriker nur noch den Anschluss am Sicherungs-/Zählerkasten machen musste.

Das Ganze hat ca. 1250€ gekostet, wobei die KFW 900€ als Fördermittel dazu gegeben hat. Diese wurden nach einer sehr langen Bearbeitungszeit im Febr. d.J. ausgezahlt.

Weitere drei Nachbarn konnte ich für die Idee begeistern, wobei erst an einer dieser insges. vier Wallboxen ein E-Auto geladen wird …

3. Das E-Auto im Leasing für 85€ im Monat

Ein E-Auto haben wir noch immer nicht…
Solche Leasing Angebote wie im letzten Jahr gibt es nicht mehr. Nicht zuletzt durch die Kaufprämie für E-Autos haben die Hersteller sehr lange Lieferzeiten.

4. Das Haus Heizen und/oder Kühlen mit PV (-Überschuss)-Strom

Wie oben angekündigt hier ein Tipp, wie ihr eure Wohnung/Haus auch anders als mit Gas kostengünstig heizen könnt. Das rechnet sich u.U. auch ohne PV-Strom.

Derzeit ist ja viel von Wärmepumpen die Rede. Eine Wärmepumpe (Luft-Wasser WP) kann sich lohnen aber zwei Dinge sprechen dagegen: 1. Das Haus muss dafür geeignet sein (z.B. Fußbodenheizung) und 2. Es gibt sie aktuell nicht zu kaufen bzw. es gibt keinen Fachbetrieb, der sie installiert.
Auch machen verschiedene Mythen die Runde: Baue dir eine große PV-Anlage auf das Dach, vielleicht noch mit Batteriespeicher und du kannst mit PV-Strom im Winter heizen. Vergesst es!

Ertrag meiner „großen Anlage“ über das (schlechte) Jahr 2021 verteilt. Da wird schnell deutlich, dass der Betrieb einer Heizung mit PV-Strom nicht funktioniert.

Vergessen wird oft: Eine (Split-) Klimaanlage ist auch eine Wärmepumpe, nämlich eine Luft-Luft Wärmepumpe! Eigentlich zum kühlen gedacht, können sie mit dem umgekehrten Prinzip auch Innenräume heizen. Und das sogar recht günstig! So wird i.d.R. für eine Heizleistung von 4-5kW nur 1kW Strom gebraucht (Jahresdurchschnitt). So kann eine Klimaanlage im Heizbetrieb durchaus geeignet sein, die Gasheizung in der Übergangszeit zu ersetzen bzw. unseren Holzofen zu ergänzen.

Hier ein Video des von mir hoch geschätzten Dr. Andreas Schmitz:

Und noch einen angenehmen Nebeneffekt gibt es: Wie oben erwähnt, speise ich einen nicht unerheblichen Teil meiner überschüssigen PV-Leistung in Netz, ohne etwas dafür zu bekommen. Allein im Juli d.J. waren es 60kWh. Damit kann ich die Klimaanlage 100 Std. im Monat oder drei Stunden täglich zum Kühlen des Hauses mit Volllast laufen lassen, ohne dass es mich etwas kostet.
Das könnte man sogar noch automatisieren (wenn Strom eingespeist wird, schalte Klimaanl. an…).

Falls ihr mit dem Gedanken spielt, euch eine Klimaanlage anzuschaffen, schaut mal auf die Anbieter in Italien und Spanien. Da ist der Klimaanlagenmarkt nahezu gesättigt und die Teile werden dort zu 60% des Preises deutscher Anbieter angeboten. Meine kam aus Valencia/Spanien von ClimaMarket trotz der Fracht von 102€ habe ich gut 30% gegenüber dem günstigsten deutschen Anbieter gespart. Wenn ich den Anbieter nenne, dann deshalb, weil ich mit der Abwicklung und dem Preis sehr zufrieden war. Und nein – ich bekomme keine Provision!

Die Klimaanlage steht noch verpackt in der Garage. In einem folgenden Artikel werde ich euch dazu berichten. Falls Ihr Fragen zum Thema habt, schreibt an rudi@zerries.de

Update vom 07.08.2022:

Im gerade erst erschienenen Artikel „Blackout-Gefahr Heizlüfter: Split-Klimaanlagen, Infrarotheizungen & Co. als Alternative“ kommt die Website techstage auch zu dem Ergebnis:

Split-Klimaanlagen sind mit hohen SCOP-Werten von 4 bis über 5 für (Anm.: Maß für das Verhältnis von elektrischer Leistung zur erzeugten Wärmeleistung) Eigenheimbesitzer eine wirtschaftlich sinnvolle Alternative für das Heizen von Räumen. Je niedriger die Heizlast, desto wirtschaftlicher ist der Betrieb. Auch für Besitzer von Photovoltaikanlagen sind sie interessant, da sie damit den Eigenverbrauch des selbst produzierten Stroms steigern können und dadurch weniger teuren Strom aus dem Netz vom Stromanbieter beziehen und damit die Stromkosten senken.

Bemerkenswert ist, dass sie die gleiche Quelle (Video Dr. Schmitz) wie ich in meinem Beitrag verwenden.

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